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Die Geschichte des Überseekoffers

Heute machen wir uns keine grossen Gedanken mehr über unsere Koffer. Wir stellen sie irgendwo im Keller ab und vergessen sie dort, bis wir wieder unseren nächsten Urlaub in Angriff nehmen oder sonst verreisen. Meist haben sie zu wenig Platz, manchmal sind sie für das Flughafenpersonal nicht robust genug und gehen beim Verladen ins Flugzeug kaputt. Heutige Koffer müssen unseren Bedürfnissen passen: sie müssen praktisch, robust und leicht sein. Dabei spiegelt der Koffer von heute bestens unsere Reisegewohnheiten. Wir wollen möglichst schnell, überallhin kommen. Und als Dank für seine Dienste verstauen wir den Koffer wieder im Keller.

Gehen wir ein paar Jahrzehnte zurück. Flugzeuge gab es noch nicht, man reiste mit dem Schiff oder mit dem Zug. Wer sich einen Urlaub leisten konnte, tat dies gleich für mehrere Wochen. Schliesslich nahm die Reise alleine mehrere Tage in Anspruch. Mitte des 19. Jahrhunderts dauerte eine Reise von Le Havre nach New York mit einer zweimastigen Brig etwa 45 Tage. Mit dem Aufkommen der Schnelldampfer, wie dem White Star Liner «Teutonic» dauerte die Überfahrt nur noch etwas länger als eine Woche.

Zweimastige Brigg

Die zweimastige Brigg «Iserbrook»

Teutonic

Der Hochseedampfer «Teutonic»

Ob mit oder ohne Segel – die Fahrt zur gewünschten Destination gehörte bereits zum Urlaub. Es blieb Zeit, Kontakte zu knüpfen, sich zu entspannen, den Eigenen Gedanken nachzugehen. Es war ein ganz anderes Reisen, ohne Stress und ohne Hektik. Bei mindestens acht Tagen auf hoher See blieb einem gar nichts anderes übrig, als abzuschalten und den Alltag hinter sich zu lassen.

Louis-Vuitton-Werbung 1898

Louis-Vuitton-Werbung 1898

Um die Reise so angenehm wie möglich zu gestallten, waren die Koffer zu dieser Zeit so ausgestattet, dass man sich fast wie zuhause fühlte. Verschiedene Abteile und sogar Kleiderbügel waren im Innern der Koffer zu finden. Ausserdem waren sie mit ihrem vulkanisierten Holz und Metall-Einlagen äusserst robust. Ein imprägnierter Leinenstoff sorgte für die wasserabweisende Aussenhülle. Natürlich waren die Koffer und Truhen damit auch sehr schwer. Für das gab es die Portiers (was war der Lieblings-Drink der Portiers?).

Der Koffer war ein Reisebegleiter, indem man sein gesamtes Hab und Gut für die nächsten Wochen behütete. Wer im Besitz eines solchen Koffers war, wusste, dass der Inhalt immer heil am Zielort ankommen würde.

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